Neues aus dem Markt

18.03.2025 - Klare Signale fehlen bisher

Auch drei Wochen nach der Bundestagswahl ergibt sich zur Stärkung der PV-Branche seitens der Politik noch kein konkretes Stimmungsbild. Ohne verbesserte Rahmenbedingungen entwickelt sich weiterhin nur der Zubau großer Freiflächenanlagen positiv und das lokale Fachhandwerk muss immer noch auf die erhoffte Trendwende warten.

PV-Branche weiter im Krisenmodus

Nachdem im Januar 2025 überdurchschnittlich viele Dachanlagen aus dem Vorjahr nachgemeldet worden waren, um 21. Jahr der Vergütung zu sichern, liegt der Zubau bei Anlagen unter 1.000 kWp im Februar ca. 40 % unter dem Vorjahreswert und deutlich unter dem Januar. Vielen spezialisierten PV-Fachbetrieben, die im Boomjahr 2023 ihr Team verstärkt hatten, steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals. Insolvenzen und Zahlungsausfälle sind weiter an der Tagesordnung.

„Es ist sehr schade, dass Politik und Branchenverbände weiterhin nur den Gesamtzubau von PV-Leistung im Blick haben“, findet Kai Lippert, der die Situation der Installateurkundschaft von EWS inzwischen seit 40 Jahren kennt. „Die Branchenvertretungen sollten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Arbeitsplätze, die das PV-Handwerk abbauen muss, nicht über Nacht wieder aktiviert werden können. Viele Investitionen, welche die Branche 2023 getätigt hatte, können ohne positive Rahmenbedingungen nicht die gewünschte Wirkung entfalten.“

PV-Meldezahlen Februar 2024 bis Februar 2025 (nach Monaten)

Einen besonders hohen Zubau verzeichnet im Februar 2025 das Segment großer Freilandanlagen über 1.000 kWp, das die PV-Marktgrafiken in den vergangenen Monaten zunehmend geprägt hatte. Damit wird der starke Rückgang im Januar bei den Anmeldungen dieser Anlagengrößen wieder ausgeglichen. Im Durchschnitt bleibt also nur das Anlagensegment der Freiflächen weiter auf hohem Stand, wobei sich naturgemäß immer noch Nachmeldungen ergeben, welche die Ergebnisse z. T. noch stark verändern können. Insgesamt scheint sich aber der seit August des Vorjahres leicht negative Trend im Bereich von kleinen und mittleren PV-Anlagen zu bestätigen. Ob sich das durch eine im Mittel zunehmend positive Entwicklung beim Zubau von mittleren und großen PV-Anlagen kompensieren lässt, bleibt abzuwarten. Noch sind die Zubauzahlen für Februar auch hier leider erstmal wieder rückläufig.

 

Das Potenzial von Stromspeichen haben viele noch nicht erkannt

Der Abwärtstrend beim Zubau von Speicherkapazität in Privathaushalten hält leider auch weiter an. Im Vergleich zum Februar 2024 haben sich die Meldezahlen halbiert. Insgesamt zeigt der Trend seit acht Monaten (d. h. seit Juli 2024) nach unten. Nur in den Segmentgrößen für das kleine und mittlere Gewerbe hielt sich der Zubau zuletzt lange auf gleichbleibendem Niveau.

„Das riesige Potenzial von Stromspeichern zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit bei Eigenverbrauchsanlagen und deren volkswirtschaftlicher Nutzen für die Netzstabilisierung werden offensichtlich noch nicht erkannt“, analysiert der neue EWS-Geschäftsführer Jan Paul Dahm die zögerliche Entwicklung. „Wie entscheidend Speicher für den Erfolg von dynamischen Stromtarifen sein werden, muss Politik und Gesellschaft wohl noch bewusst gemacht werden,“ hofft der Sohn des Firmengründers Kai Lippert. Und er ergänzt: „Unsere Kundinnen und Kunden haben das große Potenzial erkannt und sind gut vorbereitet auf eine positive Trendwende bei der Installation von privaten und vor allem gewerblich genutzten Batteriespeichern.“

Installierte Speicherkapazität nach Größenklassen (Februar 2024 – 2025)

Der hohe Zubau in der Anlagengröße über 1.000 kWh ist im Februar u. a. durch ein besonders großes Batteriesystem zu begründen, das von RWE in Grevenbroich installiert wurde, es macht 50 % des Zubaus aus. Im Vergleich zum Januar zeigt der Zubau an Kapazität zwar eine auffallende Steigerung, allerdings wurden im Januar auch kaum Anlagen dieser Größe betriebsbereit gemeldet. In Summe wurden in den ersten beiden Monaten trotzdem mehr Großspeicher installiert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

 

Weitere Markt-News

Die ungewöhnlich hohen Lagerbestände beim Handwerk waren zwar Ende letzten Jahr endlich weitgehend abgebaut, bis dahin hatte sich aber bei Herstellern und im Großhandel ein riesiger Materialstau ergeben. Insbesondere bei Invertern und Speichern für den Bereich kleiner und mittlerer PV-Anlagen hat dies bis heute massiven Absatzdruck ausgelöst. Als Folge der schwächelnden Nachfrage in diesen Marktsegmenten und angesichts zunehmender Liquiditätsprobleme einiger Anbieter werben diese mit Sonderpreisen und Verkaufsboni, um z. T. extreme Lagerbestände abzubauen, die nicht selten aus Komponenten der Vorserien bestehen. Um die Umstellung auf neue Produktserien möglichst nicht weiter als bis zur Intersolar im Mai hinauszuzögern, neigen besonders verzweifelte Marktteilnehmer inzwischen zu extremen Preisnachlässen. 

Das erinnert sehr an die dramatischen Abverkaufsaktionen bei Solarmodulen im letzten Jahr, von denen EWS inzwischen zum Glück verschont bleibt. Grund ist, dass hochwertige Produkte namhafter Modulhersteller seit einigen Monaten kontinuierlich teurer werden. Das könnte sich so auch noch eine Weile weiterentwickeln, weil gerade diese begehrten Solarmodule von der weltweit steigenden Nachfrage im Bereich der Freiflächenanlagen aufgesogen werden. Sicher werden die asiatischen Hersteller ihre Produktionskapazitäten entsprechend weiter hochfahren, aber das Vertrauen in die Stabilität der Nachfrage in Europa ist etwas angeschlagen. Erst wenn die die Inlandmärkte das Potenzial nicht mehr aufnehmen können, dürften sich Verfügbarkeiten und Preise wieder stabilisieren.
Weitere Auswertungen zur Entwicklung des Zubaus sowie Details zur Einspeisevergütung finden Interessierte unter dem nachfolgenden Link.

Link: Bundesnetzagentur – EEG-Zubauwerte und Fördersätze